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Wenn Worte verletzen

  • 10. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit
Traurige Frau auf der Wiese

Vor kurzem war ich bei einem Elterntreffen auf dem Spielplatz.

Die Kinder aus der Klasse meines Sohnes haben sich zum Schuljahresende noch einmal getroffen – mit Eltern, Snacks, Spielen und guter Laune. Es war wirklich schön: Man konnte mit den Eltern quatschen, die Kinder besser kennen lernen, lachen – einfach Gemeinschaft genießen.


Wie Respekt beginnt - und endet


Wie das bei solchen Treffen manchmal ist, haben sich kleine Gruppen gebildet, die sich unterhielten. Ich war gerade in einer Runde, in der auch die Klassenlehrerin meines Sohnes stand – zusammen mit einer Mutter und deren Tochter, die die Schwester eines Mitschülers war.

Zunächst war das Gespräch ganz locker und freundlich. Es ging um den Schulalltag, den Unterricht, Lehrer – eben das, was man so kennt. Doch nach und nach veränderte sich der Ton.


Die Schwester fing an, sich über einige Mädchen in ihrer Klasse zu beschweren – dass sie nie beim Basketball mitmachen würden, weil sie künstliche Fingernägel hätten, oder dass sie beim Fußball lieber am Rand stehen, weil es ihnen zu anstrengend sei. Dabei stellte sie sich selbst immer wieder als Gegenbeispiel dar: „Ich mach da immer mit!“ – fast so, als wolle sie beweisen, wie viel besser sie sei. Was mich aber wirklich betroffen gemacht hat:


Die Lehrerin stieg in das Gespräch mit ein. Gemeinsam fingen sie an, über die anderen Mädchen zu reden – abschätzig, fast spöttisch. Es wurde sogar gesagt, dass einem bestimmten Mädchen „ein bisschen Bewegung guttun würde“ – wegen ihres Gewichts. Dann fingen sie an, die Berufswünsche der Schülerinnen zu belächeln. Worte verletzen! Ich war ehrlich gesagt schockiert. Nicht nur, weil über andere so respektlos gesprochen wurde – sondern weil das von einer Lehrerin kam. Einer Frau, die Vorbild ist. Die Verantwortung trägt. Die prägt.



Schleimerei oder Aufmerksamkeit? – Worte verletzen?


Frau mit Blumen in der Hand

Kurz darauf sagte die Schwester noch: „Eine von denen schleimt sich ständig bei den Lehrern ein. Ich versteh gar nicht, wie man sich so verstellen kann – das bringt doch eh nix, die durchschauen das doch!“ Ich glaube nicht, dass das wirklich so gemeint war. Eher klang es nach einem verletzten Herzen. Nach Unsicherheit. Vielleicht sogar nach Neid. Vielleicht hätte sie selbst gern ein gutes Verhältnis zu den Lehrern gehabt – wusste aber nicht, wie. Statt zu fragen oder zu lernen, begann sie, die anderen klein zureden.




Respekt und Beziehung


Was die Schwester „Schleimerei“ nannte, war in Wahrheit: Beziehung. Ein freundliches Wort. Ein Zeichen von Respekt. Interesse. Vertrauen. Und genau das wird heute oft missverstanden. Ich erlebe immer wieder, dass Freundlichkeit schnell missverstanden oder belächelt wird. Wer freundlich ist, wird für unehrlich gehalten. Wer höflich ist, gilt als schwach. Wer den Kontakt sucht, wird als „berechnend“ abgestempelt. Doch genau hier dürfen wir als christliche Frauen einen Unterschied machen. Denn Beziehung zu pflegen ist kein Trick. Es ist ein Ausdruck von Liebe. Und vor allem: Es ist zutiefst biblisch.



Wenn gute Werte umgekehrt werden


Es ist traurig, aber wahr: Eigentlich selbstverständliche Werte wie Rücksicht, Dankbarkeit, Wertschätzung und Beziehungsarbeit gelten heute oft als naiv oder unecht. Doch die Bibel sagt etwas ganz anderes:


„Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die Finsternis zu Licht und Licht zu Finsternis machen.“ – Jesaja 5,20

Jesus selbst hat Menschen gesehen, sie ernst genommen, ihnen Zeit geschenkt. Er war beziehungsorientiert – nicht weil es nützlich war, sondern weil es sein Wesen war.



Beziehungen öffnen Türen, die Leistung niemals erreicht


Frauen die Hänchen halten

Ich arbeite als medizinische Fachangestellte in einer Facharztpraxis. Unsere Termine sind oft viele Wochen im Voraus ausgebucht. Aber wenn meine Nachbarin anruft und sagt: „Ich hab ein Problem, es ist dringend“, dann finde ich meistens eine Lösung. Nicht, weil sie sich vorgedrängelt hat – sondern weil ich sie kenne. Beziehungen öffnen Türen. Nicht durch Macht oder Tricks – sondern durch Vertrauen und Nähe.



Jesus lebte in Verbindung – nicht in Isolation


Auch Jesus selbst lebte in engen, tragenden Beziehungen. Er sprach mit Nikodemus, einem einflussreichen Mann, der ihn in der Nacht heimlich aufsuchte. Und bei seiner Kreuzigung war es Josef von Arimathäa – ebenfalls ein angesehener Mann – der Jesus sein eigenes Grab zur Verfügung stellte. Ohne diese Beziehung wäre eine würdige Bestattung kaum möglich gewesen. Beziehung ist Teil von Gottes Wirken. Nicht Manipulation. Sondern Verbindung.



Ermutigung statt Neid – ein Aufruf an unsere Herzen


Ein letzter Gedanke, der mir besonders wichtig ist:

Mir ist bewusst geworden, dass wir Gott ehren, wenn wir Gaben in anderen benennen. Nicht abwerten. Nicht belächeln. Nicht klein reden. Vielleicht war das auch das eigentliche Problem der Schwester: Sie sah die Stärken der anderen – aber statt sich inspirieren zu lassen, versuchte sie, sie klein zureden. Vielleicht hätte sie selbst gern so viel Mut oder Offenheit gehabt. Aber Gott hat jeden Menschen beschenkt – auch dich.


„Ermutigt einander täglich, solange es ‚heute‘ heißt.“ – Hebräer 3,13

Ein kleines Wort – „Ich sehe, was du kannst.“ – kann mehr bewirken als viele laute Predigten.

Wenn wir Gaben benennen, ehren wir nicht nur den Menschen – sondern auch den Geber dieser Gaben: Gott.



Beziehung ist kein Trick – sie ist ein Schatz


Zum Schluss möchte ich dir – liebe Leserin – etwas mitgeben:

Ich merke, wie sehr es sich lohnt, Beziehungen zu pflegen - selbst dann, wenn andere das nicht immer nachvollziehen können. Sei großzügig mit Lob, mit echtem Interesse, mit Respekt. Halte dich fern von Spott und Herabsetzung – auch im Herzen. Denn du weißt nie, wen Gott dir einmal zur Seite stellt. Und du weißt nie, wen du mit einem kleinen, ehrlichen Wort stärkst, weiterzumachen.


„Ein gutes Wort zur rechten Zeit – das ist wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen.“     - Sprüche 25, 11


Einladung


Hast du schon einmal erlebt, dass dir eine Beziehung eine Tür geöffnet? Ich freue mich, wenn du diesen Beitrag mit deiner Freundin teilst und einen Kommentar hinterlässt. 🤍

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